Die Geschichte von Schloss Tutzing ist älter als die Evangelische Akademie. In seiner heutigen Gestalt gehen die Gebäude auf Friedrich Graf von Vieregg zurück, der zwischen 1802 und 1816 den Umbau der Anlage veranlasste. Zwischen 1869 und 1880 befand sich das Schloss im Besitz des Gründers der Deutschen Verlagsanstalt, Eduard von Hallberger. Von 1921 bis zu seinem Tod im Jahre 1930 residierte der international bekannte ungarische jüdische Kunstsammler Marczell von Nemes im Schloss. Während des Dritten Reiches besaß der Industrielle und katholische Zentrumspolitiker Albert Hackelsberger das Objekt. Er kam 1940 in der Gestapo-Haft um. In den vierziger Jahren gehörte das Schloss den Familien Kaselowsky und Oetker, die es nach dem Zweiten Weltkrieg an die „Innere Mission“ verkauften.

Seit 1947 wurden im Haus Tagungen durchgeführt – die Anfänge der Evangelischen Akademie Tutzing, deren Errichtung Landesbischof D. Hans Meiser beschloss. 1956 wurde die Schlosskapelle von Olaf Gulbransson und Hubert Distler neu gestaltet. Ein Jahr darauf errichteten die beiden Künstler für den Tagungsbetrieb ein zeitgemäßes Auditorium. 1980 kam das Restaurant von Hans-Busso von Busse hinzu, das in seiner Architektur die Idee des alten Palmenhauses aufgriff. Götz von Ranke sanierte von 1984 bis 1986 das in die Jahre gekommene Schlossgebäude von Grund auf. Um der wachsenden Gästezahl gerecht zu werden, weihte man 1992 das ebenfalls unter der Regie von Götz von Ranke behutsam umgebaute Gästehaus ein. Gemeinsam mit dem Festsaal, der ehemaligen Orangerie, sowie dem Kavaliersgewölbe, bilden diese Gebäude ein harmonisches Gesamtkunstwerk am Starnberger See.

Die einmalige Lage am Ufer des Starnberger Sees und die weitläufigen Anlagen mit ihrem jahrhundertealten Baumbestand machen den Schlosspark zu einem einzigartigen Naturdenkmal. Der ehemals barocke Schlossgarten wurde 1802 bei dem groß angelegten Neubau des Schlosses unter Friedrich Graf von Vieregg in einen englischen Landschaftsgarten umgewandelt, der allerdings an einer Mauer endete und noch nicht bis zum See reichte. Der Uferstreifen konnte erst 1870 von Eduard von Hallberger in den Park einbezogen werden. Für die Umgestaltung der Gartenanlage wurde der bayerische Hofgartendirektor Karl von Effner engagiert. Er schuf auf dem beschränkten Raum eine weiträumig wirkende Parkszenerie. Der benachbarte Kustermannpark wurde zur gleichen Zeit ebenso nach von Effners Entwürfen im Auftrag von Max Kustermann, einem wohlhabenden Tutzinger Industriellen, gestaltet. Mit Blick auf die malerische Alpenkulisse von Karwendel, Wetterstein und Zugspitze reiht sich der Schlosspark der Evangelischen Akademie Tutzing in die Kategorie der außergewöhnlichen Parkensembles am Westufer des Starnberger Sees ein.

WEITERFÜHRENDE LINKS

Wenn Sie weitere Informationen zur Geschichte des Schlosses Tutzing wünschen, finden Sie hier Links zur Website der Evangelischen Akademie Tutzing und als Flyer Download.

Brunnen
Löwe
Brunnenskulptur vor See